Beginnen wir mit den „Hot Dogs“:

Wir hätten einen Hot Dog schon gleich hinter der dänischen Grenze kaufen können. Oder auf der Fähre, die zur Insel Aerö übersetzt. Oder direkt im Hafen des Städtchen Aerösköbing. Auch im Insel-Supermarkt nehmen Hot Dogs, also die Zutaten dafür, ganze Regalmeter Platz ein: Man braucht für die Zubereitung ja nicht nur die roten Schweinefleischwürstchen und die länglichen Brötchen, sondern auch: Remoulade (die mit den Blumenkohl-Stückchen drin), zuckersüßen Ketschup und milden Senf (die jeweilige Auswahl ist riesig); dazu Röstzwiebeln, und schließlich hauchdünn geschnittene Scheiben von eingelegten Gurken, die man nur in so großen Gläsern kaufen kann, dass man fünfzig Hot Dogs damit belegen könnte.

Alle Hot-Dog-Zutaten

Das alles habe ich bereits besorgt. Aber Hot Dogs sind daraus noch nicht entstanden. Meine Familie will nicht! Anders als in meiner Kindheit, als die Ankunft im Dänemark-Ferienland mit einem ausschweifenden Hot-Dog-Gelage gefeiert wurde, zögern jetzt alle. Die einen sind Vegetarier, die anderen glauben, dass die roten Würstchen aus zweifelhaftem Fleisch bestünden (tatsächlich kennzeichneten die Dänen in den Jahren der Wirtschaftskrise um 1930 minderwertiges Fleisch mit roter Farbe und verkauften es dann besonders günstig an arme Leute); einer meiner Neffen isst nur Bio-Fleisch, und meine Schwägerin aus der Schweiz hält Hot Dogs für eine dänische Variante des verachteten Hamburgers.

Auch meine Überredungskünste scheitern vorerst. Die Information darüber, woher der Name „Hot Dog“ eigentlich stammt, erweist sich als wenig nützlich. Hot Dog heißt ja „Heißer Hund“. Man nimmt an, erkläre ich, dass der Name entstand, weil die deutschen Schlachter, die dieses Fast Foood um 1860 in den USA verbreiteten, oft Dackel aus ihrem Heimatland mitgebracht hatten (natürlich nicht, um sie zu verwursten). Die leicht gekrümmte Wurst im länglichen Brötchen erinnert, meinen viele, in seiner Form an einen Dackel. Mein Hot-Dog-Vortrag löst eine heftige Diskussion aus: Ist der Verzehr von Hundefleisch mehr oder weniger unmoralisch als der Verzehr von Schweinefleisch? Nicht unbedingt appetitanregend.

Aber dann bin ich mit Kochen dran. (Fast) alle sind einfach nur begeistert! Es macht so viel Spaß, streifenweise erst Senf, dann Ketschup, dann Remoulade auf das erwartungsvoll im Brötchen liegende Würstchen zu platzieren. Röstzwiebeln krümeln herum, dicke Lagen der Gurkenscheiben krönen das Werk und: Reinbeißen!

Sensation

Jeder Bissen löst regelrechte Glücksgefühle aus. Wie sich Fleisch, Soßen, eingelegte Gurken und die krustigen Zwiebeln im Mund vermischen – eine echte kleine süß-sauer-Sensation. Nur meine Schwägerin schaut verwirrt. Selbst ihr Ökosohn und die Vegetarier haben alle Moral fahren lassen und grinsen sie mit verschmierten Mündern an.

Morgen kommt ein Hot-Dog-Würstchen-Importeur mit seinen Linkshänder-Hot-Dogs zu Wort.

6 Gedanken zu „Beginnen wir mit den „Hot Dogs“:“

  1. Oh jaaaaaa! Früher war eine Ankunft auf der Insel undenkbar ohne „hot dog“ am Abend.
    Können wir das bitte auch haben , wenn wir am nächsten Donnerstag kommen? ;-))

    Nina

  2. Nachdem wir ja im Vorfeld so viel über dänisches Essen diskutiert haben, und ich seit über 30! Jahren nicht mehr in Dänemark war, um meine Vor- und Urteile auf den Prüfstand zu stellen, bin ich sehr gespannt, was noch alles auf Euren Tellern landet. Ich denke, dass die roten Würstchen allerdings noch öfter aufgetischt werden, das Gurkenglas muss doch leer werden!!! Immer guten Appetit an Alle.

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