Ach, wie süß! Der „Brunsviger“.

Roswitha in Finns Bäckerei

Rosi, also Rowitha Sander, hat mir eine dänische Kuchenbrühmtheit geschenkt, ein Stück „Brunsviger“, den „Braune-Zucker-Kuchen“. Ich traf mich mit Roswitha in Finns Bäckerkei in Söby, wo sie schon seit sehr vielen Jahren arbeitet. Finn ist der einzige Bäcker auf der Insel Aerö, der rund um die Uhr in seiner Backstube steht, weil er all seine Sachen noch höchstpersönlich bäckt, ohne vorgefertigte Zutaten.

Der „Brunsviger“ kann als Paradebeispiel für die dänische Zucker-Süchtigkeit gelten. Roswitha beschreibt ihn so: „Eigentlich, aber nur ‚eigentlich’, ist es ein ganz normaler Hefe-Butterkuchen. Nur tut man Massen von braunen Zucker drauf, und Massen von Butter. Holt man ihn heiß aus dem Ofen, schwimmt alles in der Zucker-Butter-Lösung. Die stockt dann – und, na ja, wer ein Stück isst, und kein Däne, ist, der kriegt bestimmt einen Zuckerschock!“

Brunsviger Zucker-Butterkuchen

Jetzt, wo ich das schreibe, steht das „Brunsviger“-Stück immer noch unberührt herum. Ich aß erstmal Finns wunderbare Apfelschnecke. Die ist für dänische Verhältnisse erstaunlich moderat gesüßt. Und sie enthält ungefähr vier Apfelstückchen, mehr, als Obstkuchen zu Zeiten von Finns Vater je enthielten. Roswitha, die als junge Deutsche nach Aerö zog und noch Finns Vater kennenlernte, wunderte sich über diese sparsame Verwendung von Obst im Obstkuchen, und hörte daraufhin vom alten Bäcker: „Obst gehört an den Baum, nicht an den Kuchen.“

Zucker aber muss rein in den Kuchen, viel Zucker. „Ehrlich gesagt, ich kratze von den meisten Kuchenstücken erst die dicke Zucker- oder Zuckergusschicht ab, bevor ich sie esse“ sagt sie. „Und die Brunsviger sind einfach nur – dänisch!“ Sie glaubt, dass die Dänen in Sachen Ernährung insgesamt sehr konservativ sind. Sie halten an dem Gefühl der Nachkriegszeit fest, wo man mit Zuckerfreigiebigkeit bewies, dass es einem wieder gut geht. „In Deutschland hat man zu viel Zuckerkonsum vor 40 Jahren in Frage gestellt. Die Dänen fangen erst jetzt langsam damit an“, sagt sie.

Ich kann nur bestätigen, das die Dänen in Bezug auf Zucker denselben Knall haben wie in Bezug auf Salz. Sie können einfach nicht genug davon kriegen. Schon nach der Hälfte des Brunsvigers muss ich, so lecker er schmeckt, aufgeben, um den besagten Zuckerschock zu vermeiden. Spaß macht es aber schon, sich in dänischen Bäckereien umzusehen und herauszufinden, was anders ist als in Deutschland. Beim „Brunsviger“ kann man klar erraten, dass er nur aus Dänemark kommen kann.

Finns Bäckerei in Söby

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